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Pausentaste bleibt gedrückt

MZ-Künstlerserie - Teil 13 Claudia Gabriele Meinicke hat sich für die Kunst entschieden und sprüht vor Begeisterung für Farbe und Papier.

Von Undine Freyberg


- Ihr Merseburger Rabe ist atemberaubend. Mit filigranen Tuschestrichen gezeichnet, glänzen seine Federn wie frisch geputzt. Stolz sitzt das Tier im Rabenkäfig am Merseburger Schloss. „Ich muss allerdings gestehen, dass mein Modell aus dem Südpark stammte“, lächelt Claudia Gabriele Meinicke. „Die Raben am Schloss sahen etwas zerzaust aus, als ich sie malen wollte.“

Das Talent, malen zu können, liegt der Wahlmerseburgerin im Blut. Großvater Johannes Schulz hatte an der Kunstakademie in Königsberg studiert. „So lange er gelebt hat, habe ich auch immer gezeichnet. Danach wurde es weniger“, erinnert sich die 54-Jährige, die zunächst auch gar nicht
die künstlerische Richtung einschlägt. Nein, die gebürtige Boizenburgerin kommt nach Merseburg, studiert Chemie, arbeitet in einem Labor.

Bis sie an einen Punkt gelangt, an dem sie überlegt, ob ihr die künstlerische Arbeit vielleicht doch mehr entspricht als die Naturwissenschaften. „Ich entschloss mich tatsächlich, eine Pause zu machen. Ich hab’ meinen Job gekündigt und überlegt, wie es weitergehen soll.“ Doch plötzlich erkrankt ihre Mutter schwer an Bauspeicheldrüsenkrebs. Claudia Meinicke pflegt sie bis zu ihrem Tod, malt nebenbei. Riesige weiße Tulpenblüten zum Beispiel.

Zu diesem Zeitpunkt hat sie mit ihrem Bild „Alabama“, das einen Banjospieler zeigt, bereits den Kunstpreis beim internationalen Hahnemühle-Wettbewerb gewonnen. Hatte zuvor Workshops bei Künstlern wie Hans-Dieter Bartel, Burghard Aust und Lutz Bolldorf besucht. Erst 2017 geht sie an die Abendakademie der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. „Dort hat man mir die Angst vor dem weißen Blatt Papier genommen. Wissen Sie wie?“ Meinicke schmunzelt. „Ich nehme einfach kein weißes Papier mehr.“ Der graue oder taupefarbene Ton des schweren Papiers, das sie benutzt, gibt allem eine besondere Stimmung. Egal, welches Motiv sie wählt und ob sie mit Tusche zeichnet oder gerade mit Acryl, Ölfarbe oder mit Pastellkreide arbeitet. Dennoch ist sie zu bescheiden, um sich selbst als Künstlerin zu bezeichnen. „Ich bin einfach nur dankbar, dass sich andere Menschen von meinen Bildern angesprochen fühlen.“ Dabei platzt Meinicke fast vor Elan. Sie sei ja immer noch in einer Pause, sagt sie. Außenstehende würden eher sagen, sie sei in einer Pause ohne Pause. Denn wann immer sie etwas sieht, das sie berührt oder beeindruckt, muss es sofort aufs Papier. Ihr Mann Steffen hält für sie bestimmte Ansichten und Momente mit der Kamera fest. „Aber man muss alles in hoher Begeisterung malen. Nur wenn Du das liebst, was Du tust, wird es auch gut, was Du tust.“ Und ihre Werke sind heiß begehrt.

Claudia Meinicke hat mit Metallkünstler Klaus-Dieter Urban im Tiefen Keller in Merseburg ausgestellt. Ihre Werke sind aber auch in der halleschen Galerie „Kunstlandschaft“ zu finden, die in ihrem Galerie-Verlag auch verschiedene hochwertige, limitierte Kalender mit Bildern von Meinicke herausbringt. „Von dem Dresden-Kalender für 2021 hab’ ich selbst zum Beispiel gar kein Exemplar. Der war schon im August vergangenen Jahres ausverkauft.“ Für 2022 wurde ein Kalender mit Halle-Bildern aufgelegt. 2023 ist Thüringen dran. „Das kommt mir entgegen, denn ich mal gern in Zyklen - ’Merseburger Baukunstschatz’, ’Goethes Fußspuren in Thüringen’.“ Einmal sei ein Japaner in die Galerie gekommen und habe gefragt, ob er ihren Leipzig-Zyklus als Kalender in Japan veröffentlichen dürfe. „Ich hab’ mich gefreut und zugestimmt. Und es wurde auch veröffentlicht. Alles, was ich dafür bekommen habe, waren zwei der Kalender mit japanischen Schriftzeichen“, lacht sie.

Besonders viel Freude hat Claudia Meinicke jedoch am Illustrieren von Kinderbüchern. „Ich darf für einen Verlag arbeiten, der Regio-Abenteuer für Kinder herausgibt“, erzählt sie. Da gehe es eben um Rügen oder den Spreewald. „Und im Frühjahr darf ich dann wahrscheinlich ein Märchenbuch illustrieren. Darauf freue ich mich schon sehr.“