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Erste Kinder sind da

Stiftung Kinderheim Harkerode In Sicherheit angekommen: Am Freitag und Sonntag wurden ukrainische Flüchtlinge aufgenommen.

Von Beate Thomashausen


- „Wir haben die ersten jungen Flüchtlinge bei uns aufgenommen.“ Die Stimme von Torsten Fricke klingt am Telefon sehr bewegt, obwohl er schon viele, teilweise sehr schlimme Kinderschicksale in den Jahren seiner Tätigkeit kennengelernt hat. Aber Jungen und Mädchen aus einem Kriegsgebiet aufzunehmen, ist noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Zumal Fricke das Heimatland seiner neuen Schützlinge selbst sehr gut kennt. „Vor zehn Jahren war ich selbst in dem Gebiet, war dort unter anderem in Donezk und Charkiw und habe auch noch Verbindungen dorthin“, erzählt er.

Und so ereilte ihn jetzt ein Hilferuf von Bekannten. Ein Familie mit mehreren Kindern brauchte dringend Hilfe. „Hier sollte die Oma gemeinsam mit den Kindern das Land verlassen“, erzählte Fricke. „Die Mutter darf nicht aus der Ukraine weg. Sie ist Ärztin und wird im eigenen Land dringend gebraucht. Es ist nicht nur so, dass nur die Männer im Krisengebiet bleiben. Auch Frauen, wenn sie wie die Ärztin dringend gebraucht werden, bleiben im Kriegsgebiet und wollen aber ihre Kinder in Sicherheit wissen.“ Am Sonntag war es dann so weit: Fricke und sein Team nahmen die Oma mit ihren Enkeln in Berlin in Empfang.

Der Heimleiter ist ein Organisationstalent und es ist auch nichts Außergewöhnliches in den Kinderheimen der Stiftung, dass es mal an einem Wochenende einen Neuzugang gibt. Aber die Situation jetzt ist eben doch noch einmal vollkommen anders und außergewöhnlich. Am Freitag seien es neun Kinder und zwei Mütter in besonderer Lebenslage gewesen, die schnell eine Unterkunft benötigten und in einem der Heime der Stiftung untergekommen sind. Und am Sonntag waren es insgesamt fünf Kinder, zwei junge Mütter und in diesem besonderen Fall auch eine Großmutter, die Hilfe und Zuflucht suchten und sie in Harkerode fanden.

Die Neuankömmlinge seien in den Heimen der Stiftung grundsätzlich erst einmal gut versorgt. Sie haben Essen, Unterkunft und die Kinder genügend Spielsachen, sagt Fricke, der weiß, dass die Menschen der Region sehr hilfsbereit sind und gern vor allem mit Sachspenden unterstützen möchten. „Die brauchen wir zunächst einmal nicht. Wir müssen überhaupt erst einmal sehen, was wirklich gebraucht wird, und wären für Geldspenden sehr dankbar, um das dann eventuell entsprechend des Bedarfs anschaffen zu können“, erklärt Fricke. Mit der Schulleiterin der Grundschule Wippra hat er sich dabei eine lebenspraktische Hilfe einfallen lassen: Die Grundschüler zeichnen Bilder, die alltägliche Dinge zeigen wie Milch, Brot, Badezimmer. Diese Zeichnungen können helfen, Sprachbarrieren zu überwinden, hofft Fricke.

›› Wer Hilfe leisten möchte, kann eine Geldspende an das Spendenkonto Kinderheim Harkerode e.V. überweisen. IBAN: DE11 8102 0500 0001 2810 01; BIC: BFSWDE33MAG bei der Bank für Sozialwirtschaft