Jugendtreff Rümlang bekennt Farbe
Wie man aus weissen Wänden bunte Kunstwerke schafft, lernten Kids in zwei Graffiti-Workshops der Jugendarbeit Rümlang/Oberglatt. Unter professioneller Anleitung entstanden beeindruckende Motive, die den Jugendtreff im 90i nun dauerhaft verschönern.
Martina Kleinsorg⋌
Rümlang. Zwei Graffiti-Workshops der Jungendarbeit Rümlang/Oberglatt brachten Farbe und kreative Energie in den Jungendtreff im 90i. Unter der Leitung von Rebecca Schweri, Jugendarbeiterin in Ausbildung, und mit Unterstützung von Ismail Schumacher und Silvano Wittwer, zwei professionellen Graffiti-Künstlern vom Kreativzentrum Dosendealer in Opfikon, hatten Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis sechzehn Jahren an den letzten beiden Samstagen die Gelegenheit, die Grundlagen des Sprayens zu erlernen und in Teamarbeit der eigenen Kreativität Ausdruck zu verleihen.
Kaum zu übersehen
Das Ergebnis des ersten Workshop-Tages ist kaum zu übersehen: Plakativ prangt der Schriftzug «Jugendtreff» auf der Trennmauer zum Aussenraum des benachbarten Begegnungszentrums, harmonisch umrahmt von allerlei Einzelmotiven – ein gelungenes Gemeinschaftsprojekt. Am zweiten Samstag sollte einer weissen Wand im Innenraum farbiges Leben verliehen werden. Noch etwas «clean» kämen die modernen Räumlichkeiten im 90i daher. «Viele Kids schätzten den baufälligen Charme des inzwischen abgerissenen Jugendhauses», weiss Silvan Kobelt, Co-Leiter der Jugendarbeit.
Gegen 10 Uhr trudeln die Jungen und Mädchen ein, einige Kids bringen Erfahrung vom ersten Anlass mit, andere kommen neu dazu – im Laufe des Tages werden es nach Rebeccas Zählung 17 Kinder und Jugendliche sein, die zum zweiten Gesamtkunstwerk beitragen. «Man konnte per QR-Code vorher der WhatsApp-Gruppe ‹Graffiti-Projekt› beitreten, um alle Informationen zu erhalten», erzählt Rebecca Schweri.
Es braucht eine Weile, bis Fenster und Lüftungsrohre mit Folie geschützt, Steckdosen abgeklebt und Kunststoffmatten am Boden verlegt sind. Wer nicht auf dem Sofa chillt oder Tischfussball spielt, nutzt die Zeit, um weitere Gestaltungsideen für das Graffiti zu entwickeln. Alle Vorschläge werden am Tisch von Ismail und Silvano gesammelt, sortiert und im grossen Kreis diskutiert. Fest steht bereits das Hauptmotiv: Ein freundliches Monstergesicht, die beiden runden Fenster in der Wand sollen als Augen dienen. Hinzu kommen ein Herz als Nase, ein Minion, der zwischen den Zähnen hervorlugt, darunter der Schriftzug «Szene isch Züri», links SpongeBob, rechts eine Rose, hier eine Sprechblase, dort ein Smiley und als rahmendes Element eine Skyline im Sonnenuntergang. Ismail fasst die individuellen Motivideen skizzenhaft zu einem Gesamtkonzept zusammen. Alles, was den Kids wichtig ist, findet seinen Platz – und wird anschliessend mit Kreide auf die Wand übertragen.
«Weil wir heute im Innenraum arbeiten, malen wir die grossen Flächen erst mit Rolle und Pinsel aus. Die Spraydosen benutzen wir später für die Feinheiten und schwarze Marker für die Konturen», erläutert Silvano das weitere Vorgehen. Die Primarschülerinnen Gioia und Zeliha widmen sich dem Gebiss des Monsters, Leona hilft, die Lippen auszumalen. Die Sekundarschüler Diego, Noah und Rafael versuchen sich am Schriftzug, die neunjährige Aulona übernimmt die Gestaltung der Rose vom ersten bis zum letzten Strich.
Kontrolle über die Linien
Einige Stunden später und vom gemeinsamen Mittagessen gestärkt – Praktikant Baran Akad hatte Pasta gekocht – geht es an die Sprühdosen. Ein feiner Farbnebel liegt in der Luft, die Aussentüren sind geöffnet, es herrscht Maskenpflicht. Konzentriert steht Gioia auf der Leiter und setzt wiederholt die Spraydose an, um dem Herzen im Monstergesicht die gewünschte Form zu verleihen. «Achte darauf, dass du immer den gleichen Abstand zur Wand behältst, damit du Kontrolle über die Linien hast», gibt Ismail ihr einen wichtigen Tipp. «Die Kinder sollen so viel wie möglich selber machen, wir assistieren bei Bedarf», erklärt er das Konzept. So zeigen die beiden, wie sich mit weissen Konturen die Buchstaben des Schriftzugs herausheben lassen, und ermutigen Aulona, der Rose mit Farbschattierungen Tiefe zu geben. Um einigen Bildelementen den letzten Schliff zu verpassen, braucht es hier und dort die geübte Hand der Profis: Gekonnt arbeitet Silvano blitzähnliche Effekte in den Verlauf des Abendhimmels ein.
Mit etwas Übung macht es Spass
Um 18 Uhr posieren die verbliebenen Jugendlichen stolz für ein finales Foto, während Silvano und Ismail letzte Details fertigstellen. «Graffiti ist gar nicht so einfach, aber wenn man etwas Übung hat, macht es mega Spass», sagt Diego (14) nach zwei Workshoptagen. Ein durchweg positives Fazit zieht Graffiti-Profi Ismail Schumacher: «Die Kids haben toll und ausdauernd mitgearbeitet: Das war richtig cool und eine grosse Wertschätzung». Auch Rebecca Schweri zeigt sich sehr zufrieden: «Alle haben sich verwirklichen oder mitwirken können, ob sie eigene Ideen eingebracht haben oder nicht.» Sie freue sich darauf, auch in Zukunft kreative Themen mit den Jugendlichen umzusetzen, bestätigt die Jugendarbeiterin. «Das Interesse zeigt, dass solche Projekte einen wichtigen Platz im Jugendtreff haben.»